Wie ihr sicher schon auf den ersten Seiten des Romans gesehen habt, wurde in diesem Jahr auch schon ein Interview mit Antonia und Konstantin geführt (natürlich unter meiner Leitung). Das gesamte Interview findet ihr hier. Aber Achtung! Spoileralarm! Wer das Buch noch nicht gelesen hat, sollte lieber nicht weiterlesen. ;)

 

 

 

 

Interview mit Antonia und Konstantin

 

Hallo Antonia, hallo Konstantin. Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt.

 

Antonia *lachte leise.* Der Dank geht an jemand anderen. Es war nicht meine Idee dieses Interview zu machen.

 

Konstantin: Ach komm, das ist doch eine nette Idee. Wir sollten etwas für die Nachwelt erhalten und für die Generationen, die danach kommen.

 

 

Und wer hat euch dann dazu gebracht?

 

Antonia *lehnt sich in ihrem Stuhl zurück und seufzt.* Meine Nachkommin. Sie ist der festen Überzeugung, dass ich mein Leben für die Nachwelt bewahren muss. Aus irgendeinem Grund glaubt sie, dass die Menschen eines Tages akzeptieren können, dass es Vampire gibt.

 

Konstantin: Ich glaube übrigens auch daran, und wenn es jemals so weit sein wird, wirst du zugeben müssen, dass du dich geirrt hast.

 

*Antonia wirft ihm einen finsteren Blick zu.*

 

 

Du bist nicht dieser Meinung?

 

Konstantin: Das ist sie selbstverständlich nicht. Schließlich ist sie schon mal auf dem Scheiterhaufen gelandet, auch wenn es im Grunde meine Schuld war.

 

Antonia: Ich habe in den letzten eintausend Jahren viele schreckliche Dinge gesehen, die die Menschen sich gegenseitig antun. Noch Schlimmeres haben sie anderen Vampiren angetan. Ich will nicht daran denken, was die Menschen tun, wenn sie erfahren, dass es Vampire, Werwölfe und all die anderen Schreckgestalten aus den Märchen gibt. *Sie schlägt Konstantin auf den Arm.* Du hast mich nicht nur auf den Scheiterhaufen gebracht, sondern auch als Piratin hinter Gittern und als Kriegsgefangene in ein KZ. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass ich deinetwegen in die Themse gefallen bin, bevor es Hygienebestimmungen gab.

 

*Konstantin grinst sie allerdings nur an.*

 

 

Es gibt also noch mehr Wesen der Nacht außer Vampiren?

 

Antonia *lacht.* Ob es noch mehr Geschöpfe der Nacht, wie mich gibt? Ja. Es existieren weitere Dämonen. Unzählige. Vor langer Zeit akzeptierten die Menschen diese Wesen. Sie fürchteten sie zum Teil. Aber die Welt verändert sich *winzige Tränen glitzern in ihren Augen.* Die Menschen verlernen zu sehen … und zu glauben.

 

Konstantin ergreift ihre Hand: Diese Tatsache kann niemand ändern. Es ist Teil der menschlichen Evolution. Schon vor Jahrhunderten wollten sie nur sehen, was sie auch glauben wollen und Dämonen gehören schon lange nicht mehr dazu.

 

 

Ihr lebt schon so lange, seid ihr in all dieser Zeit denn keinem anderen Menschen begegnet, der sehen konnte? Der glauben wollte, dass es übernatürliche Wesen gibt?

 

Antonia: Da gab es jemanden. Ein junges Mädchen. Sie war unglaublich mutig, nur leider hat sie immer wieder allen gesagt, dass sie mit Engeln spricht. Sie hätte wissen müssen, was das für Folgen haben könnte, oder vielleicht wusste sie es. Als ich sie traf, war sie bereits gefangen und sie wollte sich nicht retten lassen. Am selben Tag wurde sie verbrannt. Nach diesem Tag habe ich meinen Nachkommen eingebläut niemandem zu sagen, dass es mich oder andere Wesen gibt. Sonst würden sie enden wie Jeanne.

 

Konstantin: Wenn dieses Mädchen allerdings 200 Jahre früher gelebt und sich im Heiligen Land aufgehalten hätte, wäre ich ihr ohne zu zögern in den Kampf gefolgt. Kreuzritter waren nämlich nicht so intolerant, wie man glauben könnte. Ich und meine Kameraden hätten ihr geglaubt, auch wenn wir die Engel nicht sehen konnten.

 

 

Du warst also ein echter Ritter während der Kreuzzüge?

 

Konstantin: Oh ja, ein Ritter ohne Furcht und Tadel.

 

Antonia: Und mit einem viel zu ausgeprägten Heldenkomplex. Das passt nicht zu einem Vampir. Ich wäre niemals auf die Idee gekommen die Gerechtigkeit selbst in die Hand zu nehmen.

 

Konstantin: Ich habe zumindest auf dich abgefärbt.

 

 

Über deine Vergangenheit ist kaum etwas bekannt Konstantin. Liegt es daran, dass du nicht über deine Zeit als Mensch reden willst?

 

Konstantin: Das weniger. Es gibt einfach nicht viel zu sagen.

 

Antonia *lacht wieder.* Von wegen. Er war ein echter Prinz.

 

 

Ein Prinz? Wirklich?

 

Konstantin *verdreht die Augen.* Ich wurde in einer Zeit geboren, in der es nur Adeligen vorbehalten war, Ritter zu werden. Ich stamme tatsächlich aus einem Königshaus. Mein Bruder wurde zum König ernannt, nachdem ich als verschollen galt. Allerdings machte er seine Aufgabe nicht sonderlich gut.

 

Antonia *kichert wieder.* Er war ein Idiot! Zehn Jahre nach seiner Krönung verlor er sein Königreich an ein benachbartes und verbrachte den Rest seines Lebens im Kerker. Auf die Leistung wäre ich auch nicht Stolz.

 

 

Wie kam es denn dazu, dass ihr den Titel Vampirjäger tragt?

 

Antonia *verdreht genervt die Augen.* Diesen Titel bekamen wir zum Teil aus Notwendigkeit und zum anderen Teil von Gerüchten. Wenn man so lange lebt wie wir, kommt man nicht umhin auch anderen Vampiren über den Weg zu laufen. Viele werden durch ihre Verwandlung entweder schwachsinnig oder bekommen extremen Größenwahn und dann fangen sie an gegen einen zu kämpfen. Ich bin aus solchen Kämpfen immer als Sieger hervorgegangen und junge Vampire tratschen unheimlich gerne. So hält sich bis heute hartnäckig das Gerücht, dass ich eine Vampirin sei, die andere ihrer Art jagt und umbringt um die Menschen zu beschützen. Dabei will ich im Grunde nur meine Nachkommen schützen. Aber das wollen Vampire nicht hören, wenn sie dich mit blutbesudelten Händen sehen und das Herz eines anderen Vampirs in der Hand haltend.

 

Konstantin: Ich glaube ja, dass auch Cain viel zu diesen Geschichten beitrug. Er wird niemals den Moment vergessen, als du einem Vampir das Herz aus der Brust gerissen hast, nur weil er dir im Weg stand. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Werwolf, das alles aus Berechnung tat, um sich selbst auch als echten Schweinehund darzustellen, der eine Begegnung mit dir überlebte.

 

 

Das klingt ja schaurig. Dann habt ihr also außer auf Brutus, euren Schöpfer, niemals jagt auf einen anderen Vampir gemacht?

 

Antonia: Nicht ganz.

 

Konstantin: Hin und wieder kommt es vor, dass ein Vampir dem Blutrausch verfällt und anfängt wahllos Menschen zu töten. Dann muss jemand eingreifen und ihn aufhalten. Leider haben unsere Artgenossen wenig bis gar kein Interesse sich in solchen Fällen einzumischen.

 

Antonia: Wir haben allerdings auch schon andere wahnsinnige Dämonen gejagt und getötet, wie diesen Nekromanten in London.

 

 

Würdet ihr mir denn verraten, wie man einen Vampir töte?

 

Antonia *grinst mich an.* Wenn du es mit einem Pflock durch das Herz versuchen willst, rate ich dir dringend nicht mehr so viele Vampirfilme zu sehen. Den ganzen anderen Kram mit dem Weihwasser und dem Knoblauch kannst du auch vergessen. Einen Blutsauger kannst du nur umbringen, indem du ihm das Herz raus reißt, so wie ich es bevorzuge, oder ihm den Kopf abschlägst.

 

Konstantin: Das war übrigens auch der Grund, warum die Franzosen seinerzeit die Guillotine erfanden. Aber wenn du vorhast, einen so alten Vampir wie uns zu töten, dann rate ich dir dringend davon ab. Dazu brauchst du einen silbernen Dolch und genug Geschick, Kraft und Macht um an uns heranzukommen. Sonst zerreißt dich ein so alter Vampir, in der Luft, noch bevor du nah genug an ihn herankommst, um ihn auch nur zu kratzen.

 

 

*Bei ihren Blicken wird mir jetzt ganz anders und ich wechsle schnell das Thema.* In eurem Leben seid ihr sicher vielen historischen Persönlichkeiten begegnet. Gab es da jemals einen Menschen, der euch besonders beeindruckte?

 

Antonia: Um viele Menschen ist im Laufe der Jahrhunderte ein großer Ruhm entstanden. Einer dem sie nicht gerecht geworden sind. Aber neben diesem Mädchen Jeanne und einer jungen Königin namens Marie-Antoinette, die im Augenblick ihres Todes wahre Größe bewiesen hat, gab es nur meine Familie, die mich beeindruckte. In eintausend Jahren wandten sie sich nie von mir ab oder schickten mich weg. Sie verrieten mich nie und gaben mir Obdach, wenn ich in der Stadt war. Obwohl alle anderen Menschen so viel Angst vor dem unbekannten hatten, waren meine Nachkommen mutig. *Ihre Augen fangen an zu glitzern. Eine blitzschnelle Bewegung und die Tränen sind weg.*

 

Konstantin *ergreift wieder ihre Hand und drückt ihre Finger.* Ich bin besonders von den Familienmitgliedern beeindruckt, die wegen des Familiengeheimnisses von ihren Ehepartnern verlassen und verraten wurden. Dennoch hielten sie immer zu uns, obwohl sie wirklich allen Grund hatten, uns zu hassen.

 

 

Was haltet ihr eigentlich von dem Vampirhype, der seit einigen Jahren immer populärer wird?

 

Antonia *verschränkt die Arme vor der Brust.* Davon halte ich nichts. Vampire sind weder glitzernde Softies, noch dunkle Helden. Wir sind Raubtiere! Wir jagen Menschen um uns von ihrem Blut zu ernähren. Diese neumodischen Vorstellungen über Vampire führen nur dazu, dass Menschen unvorsichtig werden. Vor allem junge Mädchen. Ich habe gehört das einige Mädchen sich den Hals blutig reiben und Nächte lang bei offenem Fenster schlafen. Das ist ungefähr so, als würde man sich mit Honig einreiben und in eine Bärenhöhle kriechen. Etwas Dümmeres ist mir in Eintausend Jahren nicht untergekommen.

 

Konstantin *kann sich ein Grinsen nicht verkneifen.* Ich finde es toll, das die Vampire in den Filmen oft mit historischen Waffen kämpfen. Wenn sich das durchsetzt, kann ich irgendwann wieder mein Schwert auspacken. Es gefällt mir überhaupt nicht, das ich seit einigen Jahrzehnten gezwungen bin diese kleinen Handfeuerwaffen zu benutzen. Das ist doch kein Vergleich zu einem guten Schwert, aber die Menschen geraten so leicht in Panik, wenn ein Mann mit einem echten Schwert herumläuft! Als ob eine Handfeuerwaffe so viel ungefährlicher wäre!

 

 

Zu guter Letzt habe ich nur noch eine Frage. Gibt es etwas das ihr euch für die Zukunft wünscht?

 

Antonia: Nur eins: Ich wünsche mir, dass meine Nachkommen in Sicherheit sind, damit ich mein Leben mit Konstantin genießen kann. *Sie streckt die Hand aus und streicht die Finger über seinen Arm.* Seit ich ihn erdolchen musste, fließt meine Magie in seinem Körper. Dadurch kann ich ihn immer und überall aufspüren. *Ihre Augen funkeln als wollte sie noch mehr preisgeben, dass nur sie und Konstantin betrifft.*

 

Konstantin: Ich wünsche mir nur, das Cain endlich aufhört, meiner Antonia schöne Augen zu machen, sonst sehe ich mich gezwungen ihm ernsthaft wehzutun!

 

*Antonia lacht nur wieder und gibt Konstantin einen Kuss auf die Wange.*

 

 

Vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses kleine Interview genommen habt.